Das Schloss, das die Lakers wollen – und nicht bezahlen können
Matisse Thybulle, Free Agent, taucht im Radar der Angelenos auf: Niemand in der NBA verteidigt den Pick-and-Roll besser, und nur Kevin Porter Jr. stiehlt mehr Bälle. Das Problem ist nicht der Spieler. Es ist der Gehaltsrahmen.

Sechsundzwanzig Ballbesitze in der Defensive gegen Darius Garland. Null Punkte. Das ist die Visitenkarte von Matisse Thybulle in dieser Saison – und erklärt, warum die Lakers laut unserem Feed (Luke Adams) begonnen haben, den Flügelspieler, heute Free Agent, ins Visier zu nehmen. Das Interesse ist noch explorativ, und das Hindernis ist bekannt: Los Angeles hat nur begrenzten Gehaltsrahmen, um ihn zu verpflichten. Doch die eigentliche Frage sollte nicht lauten, ob Thybulle seinen Preis wert ist. Die Daten sagen: eindeutig ja. Die Frage ist, ob die Lakers schnell genug sind – bevor ein Klub mit frischem Geld zuschlägt.
Thybulle ist kein Lückenbüßer-Gerücht: Er ist der beste Pick-and-Roll-Verteidiger der NBA und lässt sein Team gewinnen, wenn er auf dem Parkett steht.
- Niemand verteidigt den Blockscreen besser
- Nr. 2 der Liga bei Steals
- +9 Net Rating in seiner Rolle
Der Räuber, der nicht im Spielbericht auftaucht
Das Profil ist glasklar: ein Flügelspieler, der vom Zerstören des Gegners und vom Laufen lebt. Seine offensive DNA sagt alles: Die Hälfte seiner Aktionen sind Catch-and-Shoot-Würfe, 23 % entstehen im Fastbreak – eine Transition-Diät, die ihn zu einem der lauffreudigsten Spieler der gesamten Liga macht. Er fordert den Ball nicht, er behält ihn nicht, er stört nicht: nur 0,6 Minuten Ballbesitz pro Partie und 1,73 Sekunden pro Berührung. Nehmen, entscheiden, weiterspielen. Er ist der perfekte Mitspieler für Kabinen mit bereits gefestigten Hierarchien.
Sein eigentliches Geschäft liegt jedoch auf der anderen Seite. Bei der Verteidigung des Pick-and-Rolls mit Ball – der Schlüsselaktion der modernen NBA – ist niemand besser: Er lässt nur 0,541 Punkte pro Possession zu, gut ein halber Punkt jedes Mal, wenn ihn der Gegner mit einem Blockscreen angreift. Buchstäblich der beste Wert der Liga. Dazu kommt jene unsichtbare Arbeit, die Trainer so lieben.
Die schnellsten Hände des Westens (fast)
In dieser Saison stiehlt nur ein einziger Spieler in der gesamten NBA mehr Bälle als er. Das ist keine Übertreibung: Er steht tatsächlich auf Rang zwei der echten Rangliste – vor angesagten Spezialisten wie Dyson Daniels oder Ausar Thompson.
Und hier kommt die Zahl, die kaum jemand kreuzt: sein globaler Impact. In 30 Spielen, in einer begrenzten Rolle mit 16 Minuten Einsatzzeit, gewinnt sein Team 9 Punkte pro 100 Possessions mit ihm auf dem Parkett – bei einem Defensive Rating von 99,8, einer Zahl, die für eine Elitefdefense spricht. Wichtiger Hinweis: Das sind Rollenspieler-Werte, keine Werte eines Stars mit 35 Minuten. Aber sie erzählen eine glasklare Geschichte: Wenn Thybulle spielt, gewinnt sein Team seine Minuten.
Über eine breite Stichprobe von rund 153 verteidigten Würfen senkt er die Trefferquote seiner Gegner auf 39,2 % – der Ligadurchschnitt gegen jeden anderen Verteidiger läge bei 46,3 %. Sieben Prozentpunkte Trefferquote, die allein durch seine Präsenz verschwinden.
Und mit dem Ball? Gerade genug
Hier steht das Kleingedruckte. Sein Karrierehoch sind 20 Punkte (gegen Toronto, 2019), und in Clutch-Situationen liefert er kaum Volumen: 0,4 Punkte in den letzten fünf Minuten. Sein Catch-and-Shoot – die Hälfte seines Repertoires – liegt unter dem Ligadurchschnitt. Doch Vorsicht vor dem Vorurteilsreflex: In dieser Saison trifft er bei einem True Shooting von 60 % – exzellente Effizienz, weil er nur dann wirft, wenn er es sollte, wie seine Shot Chart zeigt. In Philadelphia spielte sein historisch bestes Lineup neben Harden, Embiid und Maxey mit +20,2 Punkten pro 100 Possessions: der Beweis, dass sein Off-Ball-Profil neben erstklassigen Creatorn seine Wirkung multipliziert.
Die Rechnung, die (noch) nicht aufgeht
Sein letztes Gehaltsreferenz liegt bei rund 11,6 Millionen Dollar pro Jahr – und genau hier drückt der Schuh bei den Lakers: Los Angeles hat keinen komfortablen Spielraum, während Teams mit echtem Cap Space wie Memphis (18,2 Mio.) oder Brooklyn (11,8 Mio.) direkt ein Angebot auf den Tisch legen könnten, ohne Verrenkungen unter dem Salary Cap vorzunehmen. Will Los Angeles ihn wirklich, muss es ihn davon überzeugen, weniger zu akzeptieren, als der Markt ihm zahlen würde. Und das ist beim besten Pick-and-Roll-Verteidiger der Liga nie einfach.
Was die Lakers gewinnen
- ✓den besten Pick-and-Roll-Verteidiger der NBA
- ✓2 Steals und 3,9 abgefälschte Bälle pro Spiel
- ✓eine Rolle mit +9 pro 100 Possessions ohne Ballfordernug
Was sie nicht bekommen
- ✕eigene Kreation (0,9 Assists pro Spiel)
- ✕einen Scorer für Clutch-Situationen
Thybulle wirft keine Punkte rein – er nimmt sie dem Gegner weg, was auf dasselbe hinausläuft.
Das Interesse der Lakers ist noch rein explorativ, ihr Gehaltsrahmen eng. Aber die Daten schreien es heraus: Das ist genau die stille Verpflichtung, die ein gutes Team von einer echten Defense trennt.